Claus Obermeier

 

Wegenutzung in der “freien Landschaft”   

Studie Konfliktminimierung Reitsport Dachauer Moos

Wandern, Reiten etc. in der freien Natur gehört zu den ältesten Formen menschlicher Fortbewegung und boomt als neuer Freizeitsport gerade weltweit. Gerade im Umfeld von Ballungsräumen kommt es aber auch zunehmend zu Konflikten zwischen den einzelnen Nutzern bzw. bestimmten Nutzungen und dem Naturschutz. Im Rahmen mehrerer eigener Studien wurde für ein ballungsraumnahes Gebiet im Münchner Westen Konflikte analysiert und Lösungsmöglichkeiten ausgearbeitet. Wichtige Ergebnisse lassen sich aber auf andere Gebiete und die politischen Debatten in anderen Regionen übertragen.   

Rechtsgrundlagen

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind je nach Region völlig unterschiedlich und durch eine Vielzahl von sich überlagernden Bundesgesetzen, Landesgesetzen und Schutzgebietsverordnungen geregelt. Bundesweit einheitlich sind dagegen die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung bundesweit für die dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Wege und Straßen. 

In manchen Bundesländern wie Bayern herrschen paradiesische Zustände für die Bewegung in der Natur und die Gesetze beziehen das Wandern, Reiten etc. ausdrücklich in das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Erholung in der freien Natur ein. Sie erlauben damit (grundsätzlich) nicht nur das Betreten und Bereiten von öffentlichen und privaten Wegen, sondern unter bestimmten Voraussetzungen sogar von landwirtschaftlichem Nutzflächen außerhalb der Nutzungszeit.

Konfliktfeld Feld-/Forstwege 

Wegeschäden durch Schwerlastverkehr

Es gibt kaum politische Diskussionen darüber, dass die immer breiter, schwerer und stärker motorisierten Erntefahrzeuge im großen Stil und flächendeckend Wege, Straßen und Brücken schädigen, Bankette zerstören und aus Forstwegen Schlammlöcher machen. Wo früher ein leichter kleiner Traktor zur Heuernte eingesetzt wurde und gut mit den vorhandenen leicht ausgebauten Feldwegen korrespondierte, zerstören heute bis an die Obergrenze der Straßenverkehrsordnung aufgelastete Vollernter mit extrem hohen Achslachsen Wege, Brücken und Bankette tiefgründig. Als Folge wird dann der Ruf nach im Zuge von Flurbereinigungen oder kommunalen Bauprogrammen zu erstellenden asphaltierten Wegenetzen in der Natur erhoben.

Nicht  ausreichende Abstimmung bei Wegeplanungen

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Planungen zum Ausbau der einzelnen Verkehrsnetze (Fußwege, Radwege, Feldwegenetz, öffentliche Straßen) oft weder untereinander noch mit anderen Fachplanungen (Naturschutz, Erholungsflächenausbau) ausreichend koordiniert verlaufen und oft Einzelmaßnahmen ohne ausreichende Planungsgrundlagen umgesetzt werden. Auf einzelnen Wegebeziehungen vor allem in Ballungsräumen erreicht die Nutzung durch verschiedene Freizeitaktivitäten mittlerweile so hohe Zahlen, dass eine planerische Berücksichtigung unbedingt erforderlich ist, wie zum Beispiel eine eigene Studie des Herausgebers zum Dachauer Moos vor den Toren Münchens nachweisen konnte. So wurde dort beispielsweise beim Bau eines neuen Erholungsgebietes und mehreren Radwegeplanungen der dort sehr starke Reitbetrieb planerisch nicht berücksichtigt.  Ein Teil dieser Planungen wurde im Bereich traditioneller Reitrouten umgesetzt. Dies führt bereits zu Konflikten, weil Reiter trotz Verbotes auf Fuß- und Radwegen reiten. 

Auf vielen Feld-, Wald- und Wiesenwegen fehlen Bankette bzw. Randstreifen vollständig und es wird bis an die Grenze der Fahrspur gepflügt. Dies ist aus den oben aufgeführten Gründen aus Sicht des Naturschutzes und aus Sicht der Wegenutzer ein großes Problem. Bei Begegnungsverkehr kommt es zwangsläufig zu Wege- und Flurschäden, da in die Nutzfläche ausgewichen werden muss. Auch darauf resultieren Folgeprobleme, so die Konzentration von Reitern, Fußgängern und Radfahrern auf die wenigen „bequem“ zu befahrenden Routen.

Wegeprofilierung, Beackerung von Wegen

Ob der Weg bei der Abmarkung unzureichend profiliert wurde, es sich um einen Privatweg handelt oder illegalerweise vorhandene Randstreifen beackert werden, lässt sich nur anhand entsprechender Karten- oder Luftbildauswertung feststellen. Allerdings legen Untersuchungen der Naturschutzverbände insbesondere in Ackerbaugebieten den Schluss nahe, dass in vielen Fällen Landwirte der Gemeinde gehörende Bankette und Seitenstreifen von Feldwegen illegal umpflügen und somit einer Zerstörung der Wege und Konflikten geradezu Vorschub leisten.

Aufgrund des landwirtschaftlichen Strukturwandels (ackerbauliche Nutzung ehemaliger Grünlandbereiche, Rationalisierung) sowie des technologischen Fortschrittes in der Landmaschinentechnik sind die Gewichte und Achslasten der eingesetzten Fahrzeuge immer schwerer geworden. Wo früher in den meisten Gebieten leichte, schmale Schlepper problemlos mit den vorhandenen Feldwegen auskamen, bräuchte man heute Schwerlastwege. So erreichen in der Maisernte eingesetzte Mähdrescher  und Transportfahrzeuge neuester Bauart extrem hohe Gesamtgewichte und entsprechende Achslasten.

Diese Zunahme wirkt sich in einem exponentiellen Anstieg der Wegebelastung aus. In manchen Gebieten Deutschlands wurde – vor allem im Zuge von Flurbereinigungsverfahren oder im Umgriff von Fernstrassenplanungen - ein leistungsfähiges, für den landwirtschaftlichen Schwerverkehr geeignetes Wegenetz geschaffen. In anderen Bereichen  kam es bisher nicht zu einem entsprechenden Ausbau. In einem eigenen Untersuchungsgebiet vor den Toren Münchens wird selbst der Schwerlastverkehr während der Mais- und Kartoffelernte auf unbefestigten Flurwegen abgewickelt, die anschließend tiefgründig geschädigt und beispielsweise von Radfahrern nicht mehr benutzbar sind.

Grundsätzlich sollten als Ergebnis diverser regionaler Untersuchungen beim Bau von Feldwegen, Radwegen und Fußwegen die Belange des Naturschutzes frühzeitig und umfassend berücksichtigt werden. Der bisher meist praktizierte Standardausbau ohne Berücksichtigung der Ziele des Naturschutzes und des Reitbetriebes – beispielsweise in Form von asphaltierten Wegen mit Regelquerschnitt ohne Randstreifen, Abpflanzung oder Reitstreifen – wird sicher den heutigen gesellschaftlichen Anforderungen in den meisten Teilen Deutschlands nicht gerecht.

CO | Stand: 2019

 

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